Verrohrte Gewässer – Herausforderung, Unterhaltung und Gewässeröffnung
Was sind verrohrte Gewässer?
In der Vergangenheit wurden viele kleinere Bäche, Gräben und Vorfluter unter die Erde verlegt – also verrohrt oder eingedolt. Ziel war es damals, mehr Fläche für die Landwirtschaft zu gewinnen, Straßen und Wege zu bauen oder Siedlungsbereiche zu erweitern.
Was früher als moderne Lösung galt, stellt die Wasser- und Bodenverbände heute vor große technische, hydraulische und ökologische Herausforderungen.
Die Herausforderungen verrohrter Gewässer
Verrohrte Gewässer sind im Vergleich zu offenen Bächen anfälliger für Störungen und erfordern eine intensive Überwachung:
- Baulicher Verfall & Alterung: Viele Betonsysteme oder gemauerte Rohre stammen aus den 1960er- bis 1980er-Jahren und erreichen das Ende ihrer Nutzungsdauer. Einstürze, Risse oder Versätze im Rohrsystem sind die Folge.
- Verstopfungs- und Rückstau-Risiko: Sedimente, Treibgut oder Wurzelwerk setzen Rohre rasch zu. Da man in das Rohr nicht hineinsehen kann, werden Blockaden oft erst bei Starkregen durch Überschwemmungen im Hinterland bemerkt.
- Ökologische Barriere: Für Fische und Kleinlebewesen ist ein langes, dunkles Rohr ohne natürliche Sohle eine unüberwindbare Barriere – die ökologische Durchgängigkeit ist stark eingeschränkt oder gar nicht vorhanden.
Aufgaben des Wasser- und Bodenverbands bei verrohrten Gewässern
Der Wasser- und Bodenverband verfolgt bei verrohrten Gewässern eine zweigleisige Strategie: Wo es möglich ist, werden Gewässer wieder an die Oberfläche geholt. Wo Rohre unverzichtbar sind, werden sie technisch instand gehalten.
1. Zustandserfassung und Instandhaltung
Um die Entwässerungssicherheit zu gewährleisten, müssen unterirdische Gewässer regelmäßig kontrolliert werden.
- Maßnahmen: Kameraspektionsfahrten (TV-Befahrung) zur Erkennung von Schäden, Hochdruckspülungen zur Beseitigung von Ablagerungen und die Reinigung von Einlaufbauwerken und Rechen.
2. Hydraulische Sanierung und Reparatur
Müssen Verrohrungen (z. B. unter Straßen oder Hofzufahrten) erhalten bleiben, sorgt der WBV für deren Wiederherstellung.
- Maßnahmen: Grabenlose Sanierungsverfahren (z. B. Inliner-Verfahren) oder punktueller Austausch defekter Rohrsegmente, um den ordnungsgemäßen Abfluss wiederherzustellen.
3. Öffnung verrohrter Gewässer (Freilegung / Offenlegung)
Die ökologisch und wirtschaftlich nachhaltigste Lösung ist oft das Zurückholen des Gewässers an die Oberfläche.
- Maßnahmen: Rückbau der Rohre und Neugestaltung eines naturnahen, offenen Bachbetts. Dies schafft neuen Lebensraum, erhöht die Selbstreinigungskraft des Wassers und bietet bei Hochwasser mehr Rückhaltevolumen als ein enges Rohr.
4. Sicherung der Ein- und Auslaufbauwerke
Die Übergänge zwischen offenem Graben und unterirdischem Rohr sind kritische Punkte.
- Maßnahmen: Bau und Wartung von stabilen Rechenanlagen und Kolkschutzmaßnahmen, um zu verhindern, dass Schwimmgut in das Rohr gezogen wird und dieses verstopft.
Wirtschaftlichkeit und Ökologie im Einklang
Die Sanierung oder Offenlegung verrohrter Gewässer ist eine Investition in die Zukunft. Der Wasser- und Bodenverband wiegt bei jedem Projekt ab:
- Wo eine Freilegung möglich ist: Entstehen win-win-Situationen. Die teure Instandhaltung unterirdischer Rohre entfällt, die Umwelt profitiert von einem lebendigen Bach und die Region gewinnt an Hochwasserschutz.
- Wo Verrohrungen nötig bleiben: Werden modernste Sanierungsstandards genutzt, um die Funktionsfähigkeit und Sicherheit für Anwohner und Landwirtschaft auf Jahrzehnte zu garantieren.
