Im Zentrum steht dabei vor allem die Pflege und Entwicklung unserer Gewässer sowie die Gewährleistung eines zuverlässigen Hochwasserschutzes. Der Schutz von Menschen und Infrastruktur muss hierbei mit den ökologischen Anforderungen moderner Umweltgesetzgebungen (wie der EU-Wasserrahmenrichtlinie ➝) einher gehen.
Unsere Aufgaben
Als Wasser- und Bodenverband
übernehmen wir Verantwortung für unsere Region.
Gewässer II. Ordnung (bzw. Gewässer zweiter Ordnung) sind nach den Landeswassergesetzen in der Regel Fließgewässer von regionaler oder lokaler Bedeutung. Die Pflicht zur Unterhaltung dieser Gewässer liegt in Mecklenburg-Vorpommern bei den Wasser- und Bodenverbänden, zu deren Hauptmitgliedern die Kommunen gehören.
Gewässerunterhaltung
Die klassische und moderne Gewässerunterhaltung dient der Sicherung eines ordnungsgemäßen Wasserabflusses, gleichzeitig gilt es die ökologischen Funktionen des Gewässers zu erhalten und zu fördern. In diesem Sinne sind regelmäßig folgende Maßnahmen zu realisieren:
- Freihaltung des Abflussprofils: Das Entfernen von übermäßigem Krautwuchs (Verkrautung), Totholz oder Unrat, um Stauungen und lokale Überschwemmungen zu verhindern.
- Böschungs- und Sohlensicherung: Die Stabilisierung von Ufern durch ingenieurbiologische Maßnahmen oder punktuellen Verbau, um Erosion zu vermeiden.
- Sedimentmanagement: Das Räumen von Schlamm- und Sandanlandungen, wo dies zur Aufrechterhaltung des hydraulischen Abflusses zwingend erforderlich ist.
Unterhaltung und Betrieb der Anlagen
Auch die Wartung und der ordnungsgemäße Betrieb von technischen Anlagen gehören zu unseren Aufgaben. Folgende Maßnahmen gewährleisten ihre Funktionstüchtigkeit:
- Schöpfwerke und Pumpstationen: Sicherstellung der Funktionsfähigkeit zur Entwässerung tiefliegender Areale.
- Wehre, Schleusen und Staustufen: Steuerung von Wasserständen für die landwirtschaftliche Nutzung, den Naturschutz oder die Niedrigwasseraufhöhung.
- Durchlässe und Verrohrungen: Regelmäßige Kontrolle auf Verstopfungen (Verklausung), um plötzliche Rückstaus zu verhindern und Reparaturen von Bauwerksschäden.
Das nordostdeutsche Tiefland – und damit auch das Einzugsgebiet der Oberen Peene – ist durch eine intensive historische Melioration (landschaftliche Entwässerung) geprägt, was kaum noch Raum für naturbelassene Fließgewässer lässt. Ein markantes Erbe dieser bewegten Geschichte ist der außergewöhnlich hohe Anteil an verrohrten Gewässerabschnitten. Was einst zur Gewinnung von landwirtschaftlichen Flächen tief in den Boden verlegt wurde, stellt uns heute vor große Herausforderungen.
Verrohrte Abschnitte entsprechen häufig nicht mehr den heutigen ökologischen und hydraulischen Anforderungen. Wir übernehmen als WBV die fachgerechte Sanierung oder den vollständigen Ersatzneubau, um den Wasserabfluss nachhaltig zu sichern und das technische System zu verbessern.
Die Aufgaben umfassen
- Zustandserfassung & Planung: Regelmäßige Überprüfung bestehender Verrohrungen auf Schäden, Einbrüche oder Verlandungen sowie die fachgerechte Planung von Sanierungsmaßnahmen.
- Ersatzneubau bei Strukturmängeln: Kompletter Austausch alter, maroder oder unterdimensionierter Rohrleitungen durch moderne, langlebige und hydraulisch optimierte Profile.
- Sanierung im Bestand: Punktuelle Reparaturen oder unterirdische Sanierungsverfahren, wo ein kompletter Neubau nicht wirtschaftlich oder baulich möglich ist.
- Wiederherstellung der Durchgängigkeit: Wo immer möglich, werden im Zuge der Maßnahmen ökologische Barrieren abgebaut oder Verrohrungen komplett rückgebaut (Offenlegung), um den natürlichen Gewässerlauf wiederherzustellen.
- Hochwasserschutz & Abflusssicherung: Dimensionierung der neuen Rohrabschnitte nach aktuellen klimatischen und hydraulischen Anforderungen, um unerwünschte Vernässungen von landwirtschaftlichen Flächen und Siedlungsbereichen zu verhindern.
Während die Unterhaltung den bestehenden Zustand bewahrt, verändert der Ausbau das Gewässer grundlegend. Im Fokus steht heute fast ausschließlich die naturnahe Umgestaltung (Revitalisierung bzw. Renaturierung), um den guten ökologischen Zustand gemäß den gesetzlichen Vorgaben zu erreichen.
Kernbereiche der naturnahen Umgestaltung
- Initiierung von Eigendynamik: Gewässereinengungen durch Einbau von Strukturelementen oder gezieltes Zurückbauen von Sohl- und Uferverbauen, damit sich das Gewässer wieder eigendynamisch entwickeln, mäandrieren und Uferstrukturen selbst formen kann.
- Herstellung der Durchgängigkeit: Umbau von unpassierbaren Abstürzen, Wehren und Sohlschwellen in raue Rampen, Sohlgleiten oder Fischaufstiegsanlagen (Fischtreppen), um Fischen und Kleinlebewesen (Makrozoobenthos) die Wanderung zu ermöglichen.
- Strukturverbesserung im Gewässerbett: Einbringen von Störsteinen, Wurzelstubben oder Totholzelementen, um die Strömungsvarianz zu erhöhen und vielfältige Lebensräume (Sauerstoffanreicherung, Unterstände) zu schaffen.
- Anbindung von Auen und Sekundärauen insbesondere von vermoorten Niederungen: Abgrabung von Uferstreifen, um dem Gewässer bei kleineren Hochwassern den schadlosen Vortritt in die Fläche zu erlauben. Dies kombiniert ökologischen Gewinn mit dezentralem Hochwasserschutz.
Das Management des Wasserhaushalts hat sich fundamental gewandelt: Neben der schadlosen Ableitung von Hochwasserfluten steht heute der gezielte Rückhalt des Wassers in der Landschaft im Fokus.
Im wasserreichen nordostdeutschen Tiefland ist dies der Schlüssel, um Ökosysteme zu stabilisieren und Moore als natürliche Kohlenstoffspeicher zu erhalten, den natürlichen Dürre- und Hochwasserschutz zu stärken sowie die Grundwasserneubildung zu fördern.
Konkret bedeutet das
- Sanierung und Modernisierung von Stauanlagen: Instandsetzung und technische Anpassung bestehender Wehre und Staue, um Wasserstände flexibel und bedarfsgerecht regulieren zu können.
- Optimierung des Wassermanagements: Gezielte Steuerung von Abflüssen, um das Wasser insbesondere in den trockenen Sommermonaten in der Fläche zu halten und das Landschaftswasserhaushaltsdefizit auszugleichen.
- Unterstützung und Umsetzung von Moorschutzprojekten: Technische und funktionale Umsetzung von Wiedervernässungsmaßnahmen auf Moorstandorten, um den Abbau von Torf zu stoppen und Treibhausgasemissionen dauerhaft zu mindern.
- Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft: Abstimmung von Rückhaltemaßnahmen mit den lokalen Landnutzern, um einen tragfähigen Kompromiss zwischen bedarfsgerechter Entwässerung und notwendigem Landschaftswasserrückhalt zu finden.
- Förderung des natürlichen Rückhalts: Einbindung von Altarmen, Senken und natürlichen Retentionsflächen (Rückhalteräumen) in das Entwässerungsnetz, um den Landschaftswasserhaushalt großflächig zu stützen.
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Zusammenfassung und Synergien
Alle vier Aufgabenbereiche stehen nicht isoliert nebeneinander, sondern bilden ein integratives Gesamtkonzept des modernen Flussgebietsmanagements. Eine naturnahe Umgestaltung unterstützt durch die Schaffung von Retentionsräumen direkt den Hochwasserschutz und kann langfristig den Aufwand für die konventionelle Gewässerunterhaltung minimieren, da sich ein ökologisch stabiles Gewässer in weiten Teilen selbst reguliert.
